Tomorrow's Angels

Ursprünglich als verhüllte Archetypen der Zukunft gedacht, wandelten sich diese gesichtslosen Figuren in Lossgotts spätem Verständnis zu „Tomorrow's Angels“ — Sinnbilder von Seelen im Werden. In sitzender, stehender und liegender Haltung verkörpert jeder Engel eine Facette des Geistes: warten, lauschen, geben, ringen. Die Reihe spannt einen Bogen vom Mysterium zur Offenbarung und mündet in Formen, die Identität jenseits des Schleiers erahnen lassen.

„Ich habe den Figuren weder Titel noch Erklärungen mitgegeben. … Ein Kunstwerk muss stark genug sein, seinen eigenen Dialog zu führen und verstanden zu werden.“ Kurt Lossgott im Gespräch mit Susan Smuts, Rosebank/Killarney Gazette, 31. Mai 1989

Tomorrow I (The Stranger)

Aufrecht, passiver Zeuge in verhüllter Stille.

The Stranger, der erste der Reihe, auch Tomorrow I genannt, steht aufrecht, die Schultern entspannt, in weiche Harzfalten gehüllt. Keine Geste hebt ihn hervor; er hält einfach den Raum. Diese stille Wache verkörpert die Seele, die der Form begegnet — weder widerstehend noch befehlend. Anonymität und Stille betonen das Sein als Akt des Daseins statt des Tuns und laden die Betrachter ein, ihre eigenen Schwellen zwischen Geist und Materie zu bedenken.

Tomorrow III (The Master)

Verschränkte Arme, verhüllte Autorität und innere Souveränität.

Eine ragende Figur in patinierter Amalgam-Bronze, The Master steht mit verschränkten Armen. Die Haltung trägt ruhige Autorität und geerdete Stille — ein Archetyp innerer Souveränität. Ohne Gesichtszüge lädt die Skulptur zur Projektion ein: Lehrer, Herrscher, Wächter. Anfang der 1990er gegossen, wurde diese Figur zu einem Schlüsselwerk in Lossgotts Reihe verhüllter Gestalten über die Neufassung unserer Zukunft. Sie verweist auf das Erhabene des Unbekannten, das uns ebenso zwingen wie zerstören kann.

Tomorrow IV (The Elder)

Sitzend, meditativ, in zeitlose, geduldige Präsenz gehüllt.

Auf einem hölzernen Schwellenbalken sitzend, ist The Elder in schwere türkisfarbene Harzfalten gehüllt, die antiken Gewändern gleichen. Der gesenkte Kopf und die gesammelte Form deuten auf Innenschau und Geduld. Da kein Gesicht die Identität festhält, wird die ruhende Skulptur zum Gefäß einer kollektiven Weisheit im Innehalten — ein Engel, der durch Epochen hindurch wartet und die Macht stillen Ausharrens verkörpert.

Tomorrow V (The Lover)

Transparente violett-rosa Harzfigur, in empfangender Stille vorgebeugt.

Diese transparente Harzfigur — in Violett-Rosa getönt — lehnt sich mit gebeugten Knien und fließendem Faltenwurf nach vorn. Licht durchdringt die Skulptur und verwandelt sie in ein Leuchtzeichen der Verbundenheit. Ihre Haltung lässt Intimität und Offenheit anklingen; sie deutet eine Begleiterin an, die ohne Urteil zuhört. Der spekulative Titel, The Lover, spiegelt die Tiefe emotionaler Resonanz, die in der Stille zu finden ist.

Tomorrow II (The Prisoner)

Stehender Engel, eine unsichtbare Kugel umfassend — Anhaftung als selbstgewählte Gefangenschaft.

The Prisoner steht da, die Arme um eine verborgene Kugel gekrümmt, den Kopf zu den Händen geneigt. Die enggewickelten Harzfalten lassen das Gewicht der Obsession spüren — keine auferlegte Gefangenschaft, sondern eine Anhaftung, die den Geist bindet. Lossgotts Skulptur macht die buddhistische Einsicht sichtbar, dass Leiden aus dem Festhalten erwächst; hier wird das bandagenartige Tuch zugleich Gewand und Gefängnis. Unfertige Spuren an der Kugel lassen ihre Identität offen: Erinnerung, Begehren oder Furcht.

Tomorrow VI (The Beggar)

Gekauerte lebensgroße Figur, der Körper in Verletzlichkeit und Bitte gefaltet.

Tief geduckt, die Knie an die Brust gezogen, die Arme um die Knie geschlungen — The Beggar zieht sich in sich selbst zurück: verhüllt, niedergeschlagen und doch entschlossen in seiner Verletzlichkeit. Rost-getöntes Harz verleiht der Oberfläche eine erdige Anmutung. Anders als die anderen Engel, die geben oder führen, bittet diese Figur, gesehen zu werden. Sie verkörpert die tiefste Ebbe der Seele und erinnert die Betrachter daran, dass auch der Zusammenbruch Teil des Werdens ist — und dass selbst Engel sich in schlichten Kleidern verbergen können.

Tomorrow VII (The Mother)

Weiße Harzbrunnen-Pflanzschale, eine offene Bowl in den Armen, die Fürsorge bietet.

Die Arme dieses Engels bilden eine Schale — als Brunnen oder Pflanzgefäß gedacht — und gießen Wasser oder Erde aus. Aus weißem Steinpulverharz strahlt The Mother Reinheit und Hingabe aus. Die offene Geste steht im Gegensatz zur nach innen gerichteten Sammlung der anderen Engel und verkörpert Fürsorge und Erneuerung. Aufgestellt in Gärten und öffentlichen Kontexten verbindet das Stück Ritual und praktischen Nutzen und lädt zur Begegnung mit dem Geist ein.

Kurz vor seinem Tod hatte Kurt die Erkenntnis, dass die Figuren Engel waren. Die archetypischen Titel wählte sein Sohn, ausgehend davon, was Kurt über jedes Werk zu sagen pflegte, oder von berichteten Gesprächen mit Besucherinnen und Besuchern über sie.

Unter den Artikeln, die Kurt in seinem eigenen Portfolio aufbewahrt hatte, war eine Galerie-Broschüre der 1980er-Jahre zu dieser Reihe. Der Kritiker schloss mit einem Zitat von Joseph Beuys:

Kunst ist nicht, Kunst wird.

Daneben, im selben Artikel, die Zeile: „Sicherlich wird Kunst erst durch jene Verständigung zu Kunst, die der Betrachter mit dem Werk erlebt. Das nötigt uns, sie zu finden.“

Wohin als Nächstes

Zwanzig Jahre später kehrten die Fragen wieder. Lucifer — ein chromgeflügelter, aus Stolz gefallener Engel — hing unvollendet über Kurts Flur und wurde noch im Jahr seines Todes weiter umgearbeitet.

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